Frühling und Momo. Alles zu seiner Zeit.

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Liebe Klienten und Interessierte,

es ist Frühling und wie im Herbst ist es die Jahreszeit, in der sich unsere Körper umstellen müssen. Sie stellen sich ein von der Bewegungslosigkeit in die Kraft zu wechseln. Ins Schaffen, die Kreativität. Das wir dabei nicht zu schnell machen dürfen, sagt uns ebenfalls unser Körper.

Ignorieren wir diese Tatsache, dass Umstellungen und Veränderungen jeder Art Zeit benötigen, geben zuviel Gas obwohl wir noch nicht so weit sind, wollen 1000 Dinge auf einmal erledigen, dabei sind die Knochen noch nicht ganz entknittert und die Temperaturen nur im puren Sonnenschein schon T-Shirt freundlich, dann meldet sich unser Organismus und zeigt uns, wer in Wirklichkeit das Tempo vorgibt, mit dem wir durch den Tag zu düsen haben.

Trotzdem stehen wir mit dem Handy und der Kaffeetasse in der Küche, planen beim Zeitung lesen das Meeting, haben die Schulnoten in der einen Hirnhälfte und die Angst um die Versetzung in der anderen parat. Wollen, dass die Kinder sich die Schuhe und die Jacke alleine anziehen – schließlich können sie das längst – und sind genervt, dass sie just heute, wo man es so eilig hat, „trödeln“ und „motzen“.

Dabei haben diese Symptome einen tieferen Sinn. Kinder zum Beispiel sind in diesem Moment Momo, die Hauptfigur aus Michael Endes gleichnamigen Kinderbuch. Das kleine Mädchen, das um die wirklich wichtigen Dinge im Leben weiß. Gemeinschaft. Genießen. Glück spüren.

Obwohl wir um unsere Sterblichkeit wissen, hetzen wir mit Krediten für die Designer-Küche, dem Leasing für das neue Auto oder der x-ten Hose und der definitiv überflüssigen hundertsten Bodylotion aus dem Drogeriemarkt immer wieder den unserem inneren Kind, für das Momo steht, gleichgültigen Dingen hinterher.
Statt unser Bedürfnis nach Neuerung, Impulsen und Anregung beim Reisen in fremde Länder – die sich deutlich von einem Cluburlaub unterscheiden – zu stillen, holen wir uns die industriell gefertigten Souvenirs in Form von Accessoires aus dem Möbelhaus. Haben Angst vor fremden Kulturen die wir – mal wieder – mit einer Mauer von uns fern halten wollen, lassen die Jugend interkulturelle Kommunikation studieren, statt Integration zu leben.

Wir unterschätzen unsere Gestaltungsmöglichkeiten und das Jetzt. Die Tatsache, dass es nichts gibt außer dem kleinen bisschen Mikrokosmos, in dem wir uns befinden, der aber eine Menge Möglichkeiten bietet.
Da kommt mir Momos Freund, der Straßenkehrer Beppo, in den Sinn. Er sagte:
„Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man. Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr.
Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst, und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr.
Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen.
Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten. Dann macht es Freude, das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein. Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste.“

Wir sollten nicht am Handy sein oder uns davon ablenken lassen, wenn in der Partnerschaft Zärtlichkeit oder ein Gespräch anstehen. Nicht an die Versetzung denken, wenn das Kind mit einer Fünf nach Hause kommt.
Sondern da sein. In Beziehung gehen.
Wir sollten das Leben feiern. Es genießen. Glücklich sein. Deshalb sind wir hier.

Der Rest regelt sich von alleine. Ja, auch die Fünf.
Nicht aber die Beziehung unter den Eltern, zu den Kindern, Freunden, der Partnerin oder dem Partner. Die Beziehung zu sich selbst. Beziehungen regulieren das Selbstwertgefühl. Und mit einem starken Selbstwertgefühl regelt sich alles andere von alleine. Weil man sich kennt, liebt und gut zu sich ist. Dann ist man automatisch auch nett zu anderen.

Also lassen Sie uns diesen Sonntag genießen. Nach unseren eigenen Vorstellungen.

Wie hätte Peter Lustig jetzt gesagt: „Heute kommt nichts mehr. Also Abschalten!“ Und rausgehen. Oder mit den Kindern Frühstück machen. Oder noch mal zum Partner oder der Partnerin unter die Decke.

Für einen sonnigen Sonntag,

Ihre Eva Klein

 

 


P.s. Sollte das Thema Abhängigkeit für Sie von Interesse sein oder es mal regnen: Die ganze Folge „Stell‘ Dich Deiner Sucht“ wie auch Experteninterviews mit Joe und mir zum Thema un zur Sendung finden Sie hier.

P.p.s. Sollten Sie sich Momo mit Ihren Kindern als Film anschauen wollen, empfehle ich Ihnen die FSK von 6 Jahren individuell zu überprüfen. Die tiefere Bedeutung wie auch die teils spannenden und düsteren Szenen sind meines Erachtens nach frühestens ab 9, eher 10 Jahren, verkraftbar.

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