Es ist ja dann auch Muttertag. Lieben lernen durch Disziplin, Konzentration und Geduld.

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Liebe Klienten und Interessierte,

was haben der Muttertag und diese preussischen Tugenden Disziplin, Konzentration und Geduld miteinander zu tun? Verderben diese an die Schulzeit erinnernden Mahnungen einem nicht schon am Morgen die Laune?

Ich hoffe nicht und will Ihnen erklären warum ich die von Erich Fromm in „Die Kunst des Liebens“ gewählten Eigenschaften für erstrebenswert in Sachen Paarbeziehung halte, wie man diese trainiert und warum sich das lohnt.
Aber wenn das Lieben eine Kunst ist und man jede Kunst durch Übung erlernen kann, dann ist klar, dass man für das Üben Disziplin, Konzentration und Geduld benötigt.
Rückfolgernd gilt das also auch für die Liebe.

Leider ist es so, dass wir uns in unserem Leben oft mit den falschen Dingen „disziplinieren“. Auf vielen Arbeitsstellen und leider auch in vielen Beziehungen wird darunter das Aushalten verstanden. Augen zu und durch. Die Kraft wird auf die Konzentration von Aufgaben verwendet die dermaßen schlauchen, dass am Abend nicht mehr der Spaziergang, das gute Gespräch oder das Kochen einer gesunden Mahlzeit anstehen, sondern der erschöpfte Zusammenbuch und die „Belohnung“ durch den Fernseher, Alkohol oder die Affäre.

Wie aber erlangt man diese Eigenschaften – was bedeuten sie vor allem in Liebesdingen – und wie bringt man sie Kindern bei?

Bei Kindern ist das relativ übersichtlich. Da ist zum einen der eigene Umgang mit Scheitern, Unlust und mulmigen Gefühlen. Man lernt daher, wie Prince Charles es treffend formulierte, auch im Königshaus wie die Affen: am meisten durch Vorbilder.
Mit Heranwachsenden kommt uns zugute, dass ihre Gehirne weich und formbar sind. Was wir im Guten (Selbstwirksamkeit; für ein höheres Ziel handeln) wie auch im Schlechten (dem Aushalten von mangelhaften Zuständen) in der Beziehung zu ihnen nutzen können.
Da wird der Klavierunterricht eben nicht direkt gekündigt, nur weil es gerade ein paar Wochen keinen Spaß macht. Der Sportverein nicht gewechselt, nur weil die neuen Trainingseinheiten nerven. Der Rucksack nicht nach ein paar Wochen ausgetauscht bloß weil ein neues Modell auf den Markt gekommen ist (auch, wenn Sie es sich locker leisten können). Das Vokabeln lernen wird durchgezogen auch wenn die Augen verdreht werden oder die Hummeln im Po den Teenager beim Aufsagen um den Tisch rennen lassen.

Gleichwürdig sollten wir dabei immer sein. Denn die Frustration über die vom eigenen Plan abweichende Realität durch die Eltern braucht Raum. 
Dazu elterliche Führung die sich mit Unlust auskennt und das höhere Ziel nicht aus den Augen verliert. Ob das nun der physische Ausgleich zum vielen Sitzen ist, das musische Gestalten für die Seele oder die stupide Notwendigkeit eines Wortschatzes zum Anwenden einer Fremdsprache.

Über den Weitblick für diese Entscheidung – gehen oder bleiben – verfügt man als Kind natürlicher Weise nicht. Den müssen Führungskräfte walten lassen.

Da wir selten wirkliche Vorbilder in Sachen Liebe haben wird es, Hollywood trägt seinen Teil dazu bei, etwas enger. Wir fühlen uns allein mit schwindender Lust, Wut auf den sonst geliebten Partner oder der Aggression über den wiederholt nicht runtergeklappten Toilettendeckel.

Liebe ist ein wunderbares Gefühl. Ein großartiges Gefühl. Doch wie das mit Gefühlen so ist kommen und gehen sie auch, je nachdem was gerade los ist.
Wer also in seinem Liebesleben nicht alle paar Monate ein neues Gesicht an seiner Seite haben will sondern eine vertrauensvolle, starke, gleichwürdige, ehrliche und integre Partnerschaft anstrebt, der ist gut beraten sich mit seiner gelegentlichen Unlust – ob sexuell, psychisch oder vom Spannungslevel her – auseinanderzusetzen.
Denn das Leben ist nicht immer nur das Amazon- oder Netflix-Wunschkonzert. Es hat auch etwas mit einer Verantwortung sich und anderen gegenüber zu tun. Und hier spielt der generelle Respekt dem Partner gegenüber eine weitaus wichtigere Rolle als das Gefühl des „sich hingeben Wollens“.

Und Respekt herrscht bei gelebter Verantwortung. Dem Leben selbst gesetzter Werte. Gelebter Integrität. Wenn Gedanken, Worte und Taten im Einklang miteinander sind.  

Sollte die innere Kündigung in Ihrer Beziehung gerade an die Tür klopfen lohnt es sich die Unlust, den Fluchtinstinkt oder die Trägheit genauer anzuschauen. Welche Ängste zeigen sich und bringen Erfahrungen ans Tageslicht die umarmt werden wollen?
Was ist das langfristige Ziel mit diesem Menschen? Hat man noch Respekt vor dem oder der anderen? Kann man den Blickwinkel verschieben? Hält man gerade nur noch aus oder kann man gestalten?

Zum möglichen Gestaltungsrahmen gehört auch das stete Bestreben immer wieder aufs Neue herausfinden zu wollen, welche der 5 Sprachen der Liebe (n. G. Chapman) der Partner oder die Partnerin sprechen. Auf welchem Kanal kommt Liebe bei Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin am besten an?
Fragen Sie sich zu Muttertag doch folgendes:

Mag es Ihre Partnerin am meisten wenn Sie ihr 1) verbal Lob und Anerkennung aussprechen, 2) gemeinsame Paarzeit organisieren, 3) Sie ihr kleine Geschenke machen, 4) Arbeiten freiwillig übernehmen oder 5) Ihrer Zuneigung durch körperliche Nähe und Zärtlichkeit Ausdruck verleihen?

Liebe benötigt unsere Disziplin, Konzentration und Geduld. Nur vom Himmel fallen diese Dinge nicht. Weder Werte noch Taten. Schon gar nicht aber Treue und gelebte Verantwortung für die eigene Glückseligkeit – mit oder ohne Partnerschaft.

Das Leben kann nicht perfekt sein. Aber echt. Wie die Liebe eben auch.

Für einen lebendigen und liebevollen Muttertag

Ihre Eva Klein

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