Von Hotpants und Magenverkleinerungen.

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Liebe Klienten und Interessierte,

heute stachen mir bei der Morgenlektüre zwei Artikel ins Auge. In dem einen ging es um Menschen, die sich einer Magenverkleinerung unterzogen und danach zu Trinkern, Spiel- oder Drogenabhängigen wurden.
Der zweite Artikel widmete sich der Frage, ob „zu tief“ ausgeschnittene Kleidung oder „zu kurze“ Hosen für junge Frauen verboten werden sollen, da dieser „Aufzug“ andere stören und ablenken kann.

Nun verhält es sich mit der Magenverkleinerung wie mit der Frage nach dem Hotpants-Verbot: Kann man beides machen, aber die eigentliche Frage hat man nicht beantwortet.

Bei den sich von luftig bekleideten Mädchen abgelenkten Menschen ist es für diese hilfreich sich die Frage zu stellen, warum sie aggressiv auf die Mädchen reagieren. Ihren Stil abwerten, sie für ihre Weiblichkeit diffamieren und warum sie die Auslöser für ihre Gefühle am liebsten „züchtig“ verpacken wollen.
Die entscheidendste aller Fragen aber ist: Was machen jene Menschen mit diesen Gefühlen? Wie tief lassen sie Gedanken, Worte und Taten, die sich aus ihnen ergeben, zu? Denn ein Gefühl wäre ja erst einmal nur ein Gefühl.

Bei Erwachsenen die sich, meist aus gesundheitlichen Gründen, für eine Magenverkleinerung entscheiden geht es um andere Fragen, aber eben auch um die Wurzel und nicht bloß um das „Abnehmen“. Eine Magenverkleinerung ohne therapeutische oder beratende Unterstützung ist ein Risiko. Wer die Ursachen für seine Essattacken nicht kennt, keine Alternativen zur Hand hat mit negativen Gefühlen umzugehen, der läuft Gefahr übermäßiges essen durch eine andere Gewohnheit oder am Ende Sucht zu ersetzen. Dieses warme Gefühl dann eben mit Alkohol oder anderen Mitteln zu erzeugen, statt die Wärme in sich zu finden.
Die hier entscheidenden Fragen sind: Welche Möglichkeiten gibt es schwere Gefühle auszuhalten, wahrzunehmen und zu integrieren? Welches natürliche Bedürfnis wurde durch übermäßiges Essen gestillt? Welche Freizeitaktivitäten, Freunde und Alltagssituatione sind erfüllend?

All diese Fragen sind richtungsweisend, wenn eine langfristig gelungene Lösung gefunden werden soll.

Aus diesem Grund arbeite ich bei familiären oder schulischen Konflikten nicht ausschließlich mit Kindern. Es geht mir immer darum die Grundsteine für Wege zu legen die dauerhaft dafür sorgen, dass ein System ohne ein stützendes Gerüst (die Beratung) zurecht kommt. Dazu braucht es eine verantwortungsvolle, authentische, wohlwollende, klare und gleichwürdige Führung.

Geht es einem Familienmitglied schlecht sind die Pfeiler dieses Systems zu stärken, nicht die Symptomträger zu „reparieren“.
Kurz: Es geht darum, die wahren Ursachen für Verweigerungen, Lügen, Schweigen, Rückzug, ausufernden Medienkonsum oder permanente Streitigkeiten zu finden.

Dabei ist es für uns alle eine Aufgabe zu lernen wie wir mit unseren wunden Punkten und teilweise heftigen Gefühlen umgehen. Lernen wir dies nicht verbieten wir Kindern das natürlichste auf dieser Welt: Nämlich die gesamte Palette zu fühlen die es gibt. Neid, Eifersucht, Wut, Trauer, Liebe, Freude, Angst, Hass, Überraschung, Scham, Glück und Zufriedenheit – wir würden sie nicht empfinden, wären sie nicht „normal“.
Alleine die Frage nach dem Umgang stellt sich einem denkenden Wesen. Die Existenz der Gefühle ist jedoch nicht zu leugnen, wenn wir gesund bleiben wollen.

Ich wünsche Ihnen die Kraft, sich jene Wurzeln anzusehen, die gerade schmerzen.

Vor allem aber wünsche ich Ihnen einen grandiosen Sommer mit vielen schönen Erlebnissen und einem entspannten Start in die Ferien.
Trotz und mit Zeugnissen und all den dazugehörigen Gefühlen.

Herzlich,
Ihre Eva Klein

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