Von der Idee, sich immer entscheiden zu müssen.

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Liebe Klienten und Interessierte, 

ein für mich wichtiger Lehrer hat einmal zu meiner Mutter gesagt (davon abgesehen, dass ich Lehrer-Eltern-Gespräche für Kinder über 7 nur in Drogen- und Gewaltfällen oder bei wirklich bedenklichen Entwicklungen befürworte und ansonsten das Lehrer-Schüler-Gespräch oder wenigstens eine Unterhaltung mit Eltern UND Kind empfehle): 
„Frau Klein, Ihre Tochter sollte dringend mehr französische Vokabeln lernen. Stattdessen ist sie in der Theater AG, macht Ballett, ist im Chor und Leichtathletik, arbeitet im Weingut und im Supermarkt an der Kasse. Da leidet Französisch einfach.“
Meine Mutter blieb recht unbeeindruckt. Er sah sie an und sagte:
„Wissen Sie was, nein, französisch lernt sie noch. Aber die ganzen Erfahrungen, die wird ihr keiner mehr nehmen. Lassen Sie sie.“

Ich fühlte mich in meiner „Unfähigkeit“ mich für eine Tätigkeit entscheiden zu müssen und einfach alle Dinge machen zu können die mich interessierten und in einen 24 Stunden Tag passten, bestätigt.

Somit hat sich an dieser Haltung nichts verändert weshalb ich als junge Frau Anfang 20  für eine befreundete Fotografin Modell gestanden und sogenannte Stock-Fotos im Tausch gegen gute Bewerbungsbilder habe machen lassen. Stock-Fotos, das sind Bilder die für Datenbanken geschossen werden und auf deren Verwendung man, hat man die Rechte einmal abgetreten, keinen Einfluss mehr besitzt.
So habe ich vor einigen Jahren eine Apotheken-Umschau in die Hände bekommen, weil mich Freunde in einem Bericht über Depressionen wiedererkannten.
Im Archiv eines Baumarktes werden sie ein Prospekt mit mir als Handwerkerin finden und auch für ein Kochbuch habe ich die Spaghetti ganz natürlich aus dem Topf gefischt. Denn ich war in einer Casting-Agentur gelistet.

Zudem habe ich mich bereits während des Studiums für Design und Architektur interessiert und entsprechend viele Freunde in diesem Bereich. Worauf diese mich als Off-Sprecherin für ein Filmfestival und als Schauspielerin für ihre Diplomarbeiten engagierten. Dann kamen die Engagements als Beraterin für Sat.1 und dann für das Land Rheinland-Pfalz und nun für das Mainzer Congress Marketing.

Weshalb erzähle ich Ihnen das in dieser Ausführlichkeit?

Die meisten Erwachsenen haben sich oft im Leben mit der Tatsache konfrontiert gesehen, dass man von ihnen Entscheidungen verlangt hat. Gerade beruflich konnte es ja nur einen Weg geben und selten war es dann frei von Erwartungen und unterschwelligen Empfehlungen, was der richtige Weg sei.
Kinder sollen sich für Fächer, Hobbys und manchmal auch Elternteile entscheiden. 

Was, wenn aber mehr möglich ist, als dieses starre Entweder-Oder?
Was, wenn wir uns dann am vollständigsten fühlen, wenn wir verschiedene Dinge tun?
Versuchen, diese zu vereinen?
Unserem ganzen Ich erlauben zu sein, indem wir mehr als einer Facette Tribut zollen?
Unsere Neugierde zu unserem Kompass ernennen, Gelegenheiten nutzen und auch Kindern dieses Recht zusprechen?

Natürlich hat jede Entscheidung für oder gegen etwas Konsequenzen, damit lernt man zu leben und zieht weitere Schlüsse für sich und seine zukünftigen Entscheidungen. Stock-Fotos mache ich heute nicht mehr. Interviews mit interessanten Menschen für eine Kongress-Kampagne hingegen: jederzeit. Nur so habe ich das Leben – wie ich es sah – und mich kennenlernen können.

Wir inspirieren uns gegenseitig, wenn wir der gesamten Fülle des Lebens offen gegenüberstehen. Wenn wir uns nur in die Spur derer einreihen, die versuchen einen gesellschaftlichen Plan zu erfüllen statt unseren eigenen, durchaus mal buckligen, krummen und besonderen Lebensweg zu gehen, leiden unsere Seele und unsere Lebensfreude. 

Ich wünsche uns allen, gerade in dieser so aufrüttelnden Zeit:
Wir haben dieses eine Leben.
FÜLLEn wir es nach unserem Geschmack.
Am Ende, wenn wir in der Holzkiste liegen, sind wir nur uns selbst die Antwort schuldig: Habe ich das hier gut und schön gemacht? Und nur wir werden uns dieses Ja geben können.

Und es gibt Schlimmeres, als das Gesicht einer Anti-Depressionskampagne in der Apotheken-Umschau zu sein.

Bleiben Sie Goldilocks.

Ihre Eva Klein

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