#youmetoo

Blogbeitrag / Führung / Liebesbeziehungen / Newsletter / Selbstliebe

Von beziehungsorientierter Lebensführung

Liebe Klienten und Interessierte, 

jetzt, wo kaum noch jemand über #metoo berichtet, kann man mal darüber schreiben, finde ich.

Als ich diese Woche engagierte Männer in Frankfurt durch einen ganz besonderen Abend führte, wurde mir die Betonung der Bedeutung beziehungsorientierten Führen einmal mehr bewusst. Denn Thema war die Rolle des Mannes auf den unterschiedlichsten Parketts des Lebens. Welche Potentiale Männer mitbringen, die Familien und Unternehmen dringend brauchen und wie sie diese verstärkt einbringen können. Dass #metoo mehr ist als der Aufschrei nach erduldeter Unterdrückung sondern den Wunsch zum Ausdruck bringt gleichwürdig und überhaupt würdig behandelt zu werden. Es ist ein Bedürfnis, das Männer ebenfalls haben. 

Dies wird ein differenzierter Newsletter, doch als Frau beginne ich nun mit uns Frauen, da ein deutscher Discounter zum Muttertag dekorative Nähmaschinen, bunte Küchengeräte und praktische Bügeleisen feil bietet, während es zum Vatertag Belohnungen in Form von Alkohol (sonst hält man den Wahnsinn des Lebens anscheinend nicht aus) für den hart arbeitenden Mann gibt – was mich beides mehr als staunen lässt.

Wenn wir nicht wie in den 50ern leben wollen, müssen wir dringend anfangen diese Klischees abzulegen. Denn mit ihnen fängt es an. 
Das gegenseitige Kleinhalten. Die Abwertung der jeweiligen Bedürfnisse und je nach Setting die Überhöhung des anderen.
Es ist der Anfang des Schweigens. Der Grundstein zum Aushalten unerträglicher Zustände. Im Kleinen (gleiche Arbeit, weniger Geld) wie im Großen (Machtmissbrauch durch Männer in Entscheiderpositionen durch sexualisiertes Verhalten).

Mädchen (ja, Jungen auch, s.u.) müssen darin bestärkt werden, dass sie den Mund aufmachen müssen. Jedes Schweigen verletzt die eigene Integrität, die eigene Würde. Mit langfristigen Folgen. Das Schweigen wird größer.
Es wird der pinke Elefant im Raum, über den keiner sprechen darf. Irgendwann ist dieses Tier so groß, dass es die Luft zum Atmen nimmt und die Betroffenen schier platzen. Oder so harte körperliche und psychische Symptome aufweisen, dass durch einen Paukenschlag die Farce durchbrochen werden muss. Wie durch #metoo eben.

Gleichzeitig ist es ein Drama, wenn ein Junge zum Mann erzogen wird ohne den Unterschied zwischen Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen zu erfahren. Er immer noch auf seine Leistung, das Geld – als Junge die Schulleistung – reduziert wird. Sich dadurch nicht attraktiv für das andere Geschlecht fühlt und seine Augen (Tor zur Seele) und Lippen (für Bekenntnisse und zum Küssen) wie bei Weinstein in den Höhlen zu verschwinden drohen, damit kein Außenstehender den verletzten, nach Wärme gierenden (er begann zuerst meist mit Massage- und Streichelaufforderungen), kleinen, unsicheren Jungen sieht, der er bis ins Alter geblieben ist.

Es wird einem Mann ohne Gefühl für sich und ohne die Fähigkeit seinem Gefühl einen Wert (Selbst-Wert-Gefühl) beizumessen, schwer fallen ihm zu folgen, wenn er in der Diskothek steht und von einer attraktiven Frau angemacht wird, er aber instinktiv spürt, hier stimmt was nicht.
Vielleicht folgt diese Frau gerade Charlotte Roches Rat (die laut Spiegel angibt ebenfalls Opfer einer massiven Grenzüberschreitung geworden zu sein), in den fruchtbaren Tagen einen Typen aufzureißen um sich im Hauruckverfahren ein Kind „machen zu lassen“, statt eventuell vergeblich auf den Richtigen warten zu „müssen“.
In diesem egoistischen, übergriffigen Akt denkt Frau nicht an den Mann, der keine Chance haben wird Vater zu sein, geschweige denn an das Kind, das seinen Vater nicht einmal wie bei einer Samenspende ausfindig machen kann, sondern eher früher als später mit der Haltung der Mutter „den Männern“ gegenüber konfrontiert ist: Frau muss sich nehmen was ihr zusteht, von Männern ist nichts zu erwarten.

Und da schließt sich der perfide Kreis.
Übergriff. Man nimmt sich was man will. Ohne Rücksicht. Jeder auf seine Weise mit den ihm oder ihr zur Verfügung stehenden Mitteln. So halten wir ihn nicht auf, den Kreislauf der Traumatisierungen, und machen Platz für dubiose Parteien und Gruppierungen, in denen Mann und Frau sich sicher und geborgen fühlen („ist zwar oll und verstaubt hier, aber ich kenn’s halt wenigstens“).

Als ich im Urlaub beim #marchforourlives mitlief habe ich gespürt, dass es viele junge Männer und Frauen gibt die uns die Hoffnung geben, dass diese Zustände nicht ewig andauern werden. Weil sie ihre Stimmen nutzen um gegen Missstände aufzustehen.
Doch längst sind nicht alle gesellschaftlichen Schichten davon durchdrungen. Längst haben noch nicht alle diesen Gesinnungswandel erfahren. 
Nicht alle haben die Chance, ihr kindliches Dasein in gesetztem Rahmen zur rechten Zeit auszuleben, weshalb es sich als Erwachsener seinen Weg bahnt und zu abstrusem Verhalten – wie sofortiger Bedürfnisbefriedigung ohne Rücksicht auf Verluste – führt. 

Feminismus ist, wenn alle die gleiche Würde haben. 
Und diese hat bekanntlich unantastbar zu sein.

Wir müssen gemeinsam nach vorne gehen, nicht gegeneinander vorgehen.

Meine Arbeit dreht sich stets um den Kern des beziehungsorientierten Führens, zu dem ich gerne auch in Ihrem Unternehmen referiere, Sie als Führungskraft unterstütze oder Ihnen und Ihrer Familie neue Wege im Miteinander aufzeige.
Auf meiner aktualisierten Homepage finden Sie die entsprechenden Themen und Angebote strukturiert und ausführlich dargestellt.

Für einen wunderschönen, entspannten, fröhlichen Muttertag und einen ebenso schönen Vatertag – gehabt zu haben.

Herzlich und mit aktiven Grüßen,

Ihre Eva Klein

p.s. Wie bedeutend unsere Beziehungs-Arbeit als Berater ist, die helfen alte Muster ad acta zu legen und Beziehung neu zu leben, macht der Beitrag über Mobbing, emotionalen Missbrauch und Nachweisbarkeit jeglicher Gewalt im Gehirn bei Scobel in 3sat deutlich.