Hast Du noch Angst vor dem Tod? Oder lebst Du schon?

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Liebe Klienten und Interessierte, 

wir alle wissen es: irgendwann werden wir die Welt in dieser Form verlassen.
Aber es ist eben ein theoretisches Wissen.
Keiner hat es bisher erfahren, kam zurück und kann von dem, was danach kommt – oder eben nicht, berichten.

Mit etwa 12 bemerkte ich, dass ich Angst vor dem Tod habe. Die Vorstellung, in dieses Loch zu stürzen, schlimmstenfalls etwas Schreckliches nach dem Leben zu erleben oder bewusst wach im Sarg zu liegen – all diese Gedanken und entsprechend unguten Gefühle, ließen mich tatsächlich in diesem jungen Alter etwas beschließen: dass ich nicht mit dieser Angst sterben will. Ich würde alles daran setzen, keine Angst vor dem Tod zu haben, der ja irgendwann eintreten würde. Todsichere Sache, sozusagen. 

Ich war schon als Kind gerne Analystin, eher Zaungast bei Disputen und lieber die, die half im Anschluss für Ordnung zu sorgen. Klingt heroisch, ist es aber beileibe nicht immer (gewesen) – gerade Lehrer fanden das selten amüsant. Außer eben mein Religionslehrer. Auf diesen Mann könnte ich heute noch das Hohelied für gelungene Pädagogik anstimmen, weil er die Klasse hat diskutieren und mich ausreden lassen – manchmal im wahrsten Sinne des Wortes, aber eher im übertragenden Sinne.

Was folgte auf diese Todesangst-Gedanken waren konkretere Beobachtungen. Was macht mir Angst? Warum? Was kann ich tun, damit sie kleiner wird? 

Ich entdeckte, dass meine Gedanken einen großen Einfluss auf mein Wohlbefinden hatten, also wie lange ich in Horrorbildern blieb oder ob ich meinen Fokus verlagerte, und vor allem, dass ich, wenn ich Spaß im Leben hatte und mit Menschen zusammen war die mir gegenüber wohlwollend waren (wenn Sie sich an F.A.M.I.L.I.E. erinnern steckt das bei Liebe drin – es ist der für mich wichtigste Wert im Miteinander, ohne den meiner Meinung nach keine Beziehung funktioniert) ich leichter hätte sagen können: Ist ok, ich kann gehen.
Wäre zwar immer noch schade, aber ist ok.

Bin ich damit durch? Weil ich das als Teenager mal für mich herausgefunden hatte?
Wahrlich nicht. Denn Entwicklung geschieht in Etappen. Die meisten Themen tauchen immer mal wieder im Leben auf – im Idealfall stellen sich die Fragen nur eben jedes Mal auf einem höheren Entwicklungsniveau. 

Um hingegen Dinge zu tun, die einem schwer fallen, braucht es Mut.
Und Mut bedeutet dem Leben und somit anderen Menschen zu vertrauen. Zum Beispiel beim Überqueren der Geierlay Hängebrücke im Hunsrück. Ich bin nicht 100% höhentauglich, aber diese Gedanken über die Kompetenz der Handwerker hat es möglich gemacht. 
Wie man Vertrauen bekommt?
In dem man raus geht. Menschen kennenlernt. Gute Erfahrungen und schöne Momente mit ihnen sammelt und aus den schmerzhaften Begegnungen lernt. 

Das gilt für das Leben als Ganzes, die Liebe, die Entwicklung im Beruf und in Freundschaften oder der Herkunftsfamilie. 

Und kein Moment eignet sich gerade besser für eine Bestandsaufnahme, wie es um die eigene Angst vor dem Tod, das erfüllte Leben oder sein Vertrauen in die Welt steht als diese Pandemie.

Warum haben wir eine solche Angst vor der Ruhe? Vor der Langsamkeit?
Vor der Umsetzung notwendiger Reformen im Bildungs- und Sozialwesen? Der Arbeitswelt im Ganzen?
Kurz: Warum haben wir die Yang-Energien (männlichen Komponenten) so sehr verherrlicht, statt die weiblichen, Yin-Elemente, ebenfalls zu inkludieren?
Haben gearbeitet bis zum Umfallen. Uns ein Miteinander angewöhnt, das nicht selten jeder Menschlichkeit entbehrte. Haben die Natur ausgebeutet, als hätten wir eine zweite im Kofferraum. 

Eine Wirbelsäule besteht immer aus beidem. Starken Wirbelkörpern und weichen Bandscheiben.
Wir sagen nicht umsonst: Die/ Der hat aber Rückgrat! 
Das geht nur, wenn wir wohlwollend unsere Wahrheit sprechen.
Sanft und klar zugleich sind.

Wir waren auf dem besten Weg uns ein Rückgrat zu basteln, das sich an sich selbst zerrieben hätte.

Mutter Natur / Erde (die nährende Frau) zeigt uns, dass das so nicht funktioniert.
So, wie unsere Körper uns immer unmissverständlich mitteilen, wenn eine gelebte Überlebensstrategie am Ende ihrer Wirksamkeit angekommen ist und er keine Lust mehr hat, sie mitzutragen – manchmal durch Rückenleiden im wahrsten Sinne des Wortes – haben wir den Bremsklotz zwischen die Beine geworfen bekommen.

Was ist uns wirklich wichtig?
Wo wollen wir hin?
Nie war die Revolution der Frauen so deutlich zu spüren wie in diesem Jahr.
NICHT GEGEN MÄNNER, sondern für mehr Anerkennung der weiblichen Qualitäten!!!
In meiner Praxis häufen sich die, wie ich finde, schönen „ich will das so nicht mehr“-Fälle.
Immer wieder ein Grund zur unbändigen Freude – denn ab dieser Entscheidung geht es noch einmal kurz durch den Schlamm und dann auf die grüne Wiese des selbst gewählten, freien Lebens. 

Jeder von uns, der das Glück hat gesund und abgesichert zu sein, hat jetzt die günstige Gelegenheit, sich wieder selbst ins rechte Licht zu rücken.
Seine eigene Lebens-Liebe neu zu definieren, auch, um anderen helfen zu können, die diese Krise noch heftiger beutelt. 

Lassen Sie uns die Zeit nutzen wieder neues Vertrauen zu sammeln und aufzubauen. 
Entdecken wir die Langsamkeit neu UND bleiben aktiv und fleißig.

Für eine gute Zeit wünsche ich Ihnen vor allem viel Gesundheit, Entspannung in Ihren Gedanken und natürlich:

Bleiben Sie Goldilocks.

Ihre Eva Klein

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