Bei „nicht funktionieren“ lesen

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Liebe Klienten und Interessierte,

wenn Kinder im Unterricht mit den Beinen strampeln, aus dem Fenster schauen oder Fragen stellen die den Lehrer von seinem geplanten Kurs zum Abweichen bringen – müssten -, sind wir schnell dabei diese Kinder als verhaltensauffällig, nicht anpassungsfähig oder, bei ausgedrückter Trauer durch Schimpfworte und Schubsen, als aggressiv mit Hang zum ADS zu bezeichnen.

Die als normal betrachtete Verhaltenspalette wird ein immer schmalerer Grad ohne Rücksicht auf Umstände, Alter und Situation. Ein eng gefasster Kurs, auf den Erwachsene Kinder bringen sollen.

Lehrer wie Eltern spüren, dass da was nicht stimmt. Sie fühlen sich gleichzeitig im System (einer von Menschen entwickelten Struktur) gefangen und finden keinen Ausweg, außer die Kinder trotz innerer Widerstände auf diesen Weg zu bringen. Sie selbst sehen ihre Bereiche der Selbstwirksamkeit nicht mehr, sind frustriert und frustrieren damit wachstumswillige Kinder.

Da ist zum Beispiel die Gedichtsinterpretation:

„Schreib‘ halt was Reclam sagt um eine gute Note zu bekommen, die Dir ein passables Zeugnis und somit die Versetzung und später den Abschluss, dieser das Studium und jenes wiederum einen Job der Dir Deine Existenz gewährleistet, sichert. Denk‘ nicht viel drüber nach, mach‘ das einfach. Wir müssen auch gleich los.“

Sichert. Sicherheit. Angst. Fehlendes Vertrauen in sich und die Welt.

Dieses Beispiel ist nur eines von vielen durch das Kinder lernen ihre Meinung zugunsten des vermeintlichen Vorankommens zu unterdrücken, ihre Gedanken, Worte und Taten anzupassen.

Geht diese Rechnung langfristig auf?

Und können wir uns diese auf die gleichen (Klassen-)Ziele ausgerichteten Menschen in unserer komplex globalisierten und mit Herausforderungen gespickten Zeit überhaupt noch leisten?

Die Bundestagswahlen haben gezeigt: Nein.

Statt sich aber auf die Qualität ihres Programms zu konzentrieren, Lösungen zu finden und wirklich neu zu denken, haben viele Parteien agiert wie in der Schule:
Sagen, was andere hören wollen und gegen andere wettern statt einfach so gut sein, dass man keine pseudo-Alternative-back-to-the-fucked-up-part-of-the-past braucht.

Survival of the fittest bedeutet nicht Verdrängung durch Auslöschen. Es heißt, dass man selbst so flexibel und gut ist, dass man überlebt. Das fand Darwin bei den Finken auf den Galapagos-Inseln heraus. Nicht das unmenschliche, vom Kapitalismus verzerrte Bild des „Dagegen“. Nicht hilfreiche Dinge verschwinden aufgrund ihres Mangels an Sinnhaftigkeit automatisch. Weisheitszähne zum Beispiel. Und wenn einer Ahnung von Evolution hatte, dann Charles.

Wer „nicht so werden will wie Vater oder Mutter“ braucht einen Plan wie er oder sie sein will. Der Fokus auf das „Dagegen“ lässt einen genau dort enden wo man nicht hin wollte. Denn Energie folgt Aufmerksamkeit – das wusste wiederum schon Einstein.

Dazu muss man sich kennen, lieben und mutig sein.

Weil dem aber nicht stringent genug so ist, verändert sich nichts Grundlegendes.

Nicht das Schulsystem, nicht die Lehrerausbildung, nicht die Strukturen in den Bundesländern um der Frustration den Nährboden zu entziehen und stattdessen die persönliche Entfaltung zu fördern die notwendig ist, um Antworten auf die Fragen unserer Zeit zu entwickeln.

Eigenes Denken und integres Handeln muss man leben und erproben dürfen!

Und das am besten in den prägenden Jahren.

Es ist bedauerlich, dass viele ihr Ich als Erwachsene in Trommel-, Yoga- und Meditations- oder Achtsamkeitskursen von Burnoutkliniken erst wieder ‚ent‘-decken müssen.
Wenigstens den nachfolgenden Generationen könnten wir diesen Umweg ersparen.

Das wäre Evolution!

Für uns bedeutet das: Wir brauchen R-Evolutionen wie die von Boyan Slat, der mit seiner Firma den Plan hat die Weltmeere von Plastik zu befreien. Mit 18 wurde er CEO seiner gegründeten Firma, schmiss sein Studium und lernt nun durch das Leben und von anderen.
Abschreiben im großen Stil, könnte man sagen, denn einen Master als Ingenieur hat er nicht.

Dabei weiß jeder von uns, dass man ein heterogenes Team braucht welches voneinander lernt und sich weiterentwickelt, wenn wir ein innovatives Endziel erreichen wollen.
Menschen, die für ein Thema vor Begeisterung brennen. 
Und jeder brennt nun mal für andere Dinge. Denen sollten wir lernen folgen zu dürfen.

Wir brauchen Vertrauen in das Sein und Werden von Kindern. Sie kommen schließlich sozial, entwicklungswillig und an Gemeinschaft interessiert auf die Welt.
Um ihnen dieses Umfeld bieten zu können müssen wir Großen uns selbst lieben und tun für was wir brennen.

Ganz pragmatisch.

Wie immer.

Ihre Eva Klein

 

P.s. Der lackierte Hocker ist Teil meiner eigenen Burnoutprävention und nun in der Praxis in Mainz zuhause. Einmal im Jahr schnappe ich mir ein Möbelstück zum Restaurieren oder Ummodeln. Dabei habe ich immer auch einen Block neben mir liegen. Denn dabei kommen mir viele Ideen für Seminare und Vorträge. Oder Newsletter. Mir tut das gut. Ihnen vielleicht auch. Oder etwas anderes.