Meditation.

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Warum Schweigen manchmal Gold ist.

Liebe Klienten und Interessierte, 
zu Beginn des Jahres habe ich mich in ein Experiment begeben, von dem ich nicht wusste, worauf ich mich da eigentlich einlasse.

Nachdem das vergangene Jahr so arbeitsintensiv war wie kaum ein anderes, hatte ich mir bereits im Herbst einige Tage im neuen Jahr für mich geblockt. Wie es dann so ist, wenn man nach einer Vollgasphase eine Vollbremsung einlegt, überfordert diese Ruhephase einen durchaus mal. Ich habe mich daher entschlossen, in ein Vipassana Zentrum zu gehen.
Vipassana ist ein Schweigekloster der besonderen Art.
Der Gong ertönt morgens um vier Uhr. Um 4.30 Uhr beginnt die erste Runde Meditation, bis es um 6.30 Uhr Frühstück gibt. Insgesamt kommt man jeden Tag auf 10,5-11 Stunden Meditation. Um sich voll darauf konzentrieren zu können, wird man von ehemaligen Studenten bekocht und auch um die Reinigungsarbeiten muss man sich auch nicht kümmern. Die Unterkunft ist spartanisch und zweckmäßig, das „Freilaufgehege“ eingezäunt und die Räumlichkeiten frei von jeglicher Möglichkeit sich abzulenken. Alle elektronischen Geräte gibt man ab, Literatur und Tagebücher sind ebenfalls nicht gestattet.
Das führte zwar dazu, dass ich mir die Inhaltsstoffe meiner Zahnpasta-Tube regelmäßig zu Gemüte führte und dennoch war das Ausbleiben äußerer Eindrücke zu keiner Zeit beängstigend.

Um ehrlich zu sein tat es mir gut, alle Einflüsse der Welt außen vor zu lassen, um mich meinen Gedanken und mir voll und ganz widmen zu können.

Meditation ist eine abgefahrene Sache.

Eigentlich glaubt man, dass man einfach nur da sitzt und zur Ruhe kommt.
Doch weit gefehlt. 
Während man auf dem Kissen sitzt (dieses Kissen mutierte irgendwann zu einer Hochburg aus Decken- und Polsterlagern), sich nicht bewegt und die Führung über seine Gedanken übernimmt, führt man die abstrusesten Kämpfe mit sich. 

Ein Auszug aus meinem vollkommen von jeder Strategie sinnfreien Kriegsprogramm:
– Was mache ich eigentlich mit diesen ganzen Payback-Punkten? Warum habe ich nie das Kleingedruckte in den AGB über den Datenschutz gelesen?
– Was gibt es heute eigentlich zum Mittagessen?
– Schöne und schmerzhafte Erinnerungen.
– Was gibt es heute eigentlich zum Mittagessen?
– Liebe, Angst, Sorge, Liebe.
– Was gibt es heute eigentlich zum Mittagessen?
– Ich will auf jeden Fall einen Newsletter über diese Erfahrung schreiben. Wie soll ich ihn gliedern? 
– Warum zur Hölle fällt es mir so schwer, mich auf meinen Atem und meinen Körper zu konzentrieren? Habe ich nicht ein ganzes Kapitel meines Buches genau darüber geschrieben, wie man die Führungskraft über seine Gedanken sein sollte, um die richtigen Dinge zu sagen und zu tun? Ich dachte bisher, dass ich meditieren könnte. Weit gefehlt – also streng‘ ich mich mal mehr an!
– Was gibt es heute eigentlich zum Mittagessen?
– Wie schön. Ich bin ganz bei mir und kann alle Gedanken und Gefühle annehmen. Sie kommen und gehen. Und ich bin mehr als meine Gefühle.

Soweit einige der Gedanken, die ich in einem Bruchteil einiger Sekunden fassen konnte. 

Ignoranz, Aversion und Craving
Ich lernte in den nächsten Tagen in Form körperlicher Erfahrungen (kognitiv wissen wir das ja alle), dass es nichts bringt sich die Dinge anders zu wünschen als sie sind. Dinge abzulehnen und zu verabscheuen, die sind wie sie sind. Und dass Ignoranz der Realität gegenüber das größte Verbrechen ist, welches wir unserer Seele und unserem Körper antun können.
Manche Erlebnisse sind nun einmal unfassbar schön oder schmerzhaft. Aber alle sind vergänglich. So dachte ich einmal über etliche Minuten, dass ich ein Messer in der linken Schulter hätte, so stark waren die Schmerzen aufgrund des Sitzens. Von meinen Knien und Knöcheln ganz zu schweigen. Ich konnte den Schmerz nicht leugnen. Aber entscheiden, wie stark er mein seelisches Befinden und somit meine Reaktionen (mich bewegen oder nicht) und Aktionen beeinflussen darf. Ich wusste schließlich, dass ich nicht sterben würde. Das machte die Sache um einiges leichter.

So hoffe ich, dass wir gemeinsam weiterhin achtsam und liebevoll mit uns sind, damit wir es mit anderen sein können. Das ist, was wir brauchen. Und die Welt auch.

Also, bleiben Sie Goldilocks.
 Ihre Eva Klein

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